Stadtbrandinspektor Marco Kirchner feierlich verabschiedet | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Marco Kirchner gibt nach 20 Jahren die Führung ab. Sein Nachfolger ist Pascal Hirschhäuser

Stadtbrandinspektor Marco Kirchner feierlich verabschiedet

Stadtbrandinspektor Marco Kirchner feierlich verabschiedet

Lollar – Pascal Hirschhäuser ist ab Jahresmitte 2026 der neue Stadtbrandinspektor (SBI) in Lollar. Die gemeinsame Jahreshauptversammlung der Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt wählte den bisherigen stellvertretenden SBI in offener Wahl einstimmig zum Nachfolger von Marco Kirchner. Nach 20 Jahren an der Leitungsspitze der Feuerwehr stellte Kirchner das Amt zur Verfügung und schlug seinen Stellvertreter für das höchste Ehrenamt der heimischen Blaulichtfamilie vor. Die Neuwahl des Stellvertreters von Hirschhäuser wurde auf eine außerplanmäßige Versammlung verschoben – Kandidat gesucht.

Diese Jahreshauptversammlung stand ganz im Zeichen der Würdigung von Kirchners Verdiensten. Das Organisationsteam des Abends hatte Kirchner zu Hause abgeholt und zum Feuerwehrstützpunkt in der Schur gebracht. Der scheidende SBI blickte kurz auf den Anfang zurück. Von seinem damaligen Vorgänger Holger Wolfram habe er viel lernen können.

2025 in die Einsatzabteilungen neu hinzugekommene Kräfte erhielten als Begrüßungsgeschenk ein Kurbelradio: Hendrik Bodenbender, Archie Lee Bunch, Ingolf Dürl, Patrick Herbst, Björn Horn, Johannes Ivo, Sven Kärcher, Dilawar Khan, Justin Kolomaznik, Stefan Krombach, Stephanie Krombach, Torben Preis und Sebastian Sommer.

„Maßstäbe gesetzt“

Bürgermeister Jan-Erik Dort dankte für den Einsatz und die Verlässlichkeit der Truppe. Deshalb, so Dort, „sollten wir Euch die bestmöglichen Arbeitsbedingungen bieten“. Kirchner, 1983 in die Jugendfeuerwehr eingetreten, habe die Leitungsfunktionen stellvertretender Wehrführer, Wehrführer und Stadtbrandinspektor ausgefüllt. Das mit einer „tief verwurzelten Leidenschaft“. Er habe immer neues Wissen gesammelt, die Feuerwehr modernisiert, menschliche und fachliche Maßstäbe gesetzt, die weiter tragfähig seien. „Du bist ein Kamerad im besten Sinne des Wortes“, so Dort.

Norbert Fischer, Präsident des Hessischen Landesfeuerwehrverbandes, lobte die Feuerwehr Lollar als sehr aktiv, aber sein Kommen habe einen besonderen Grund: einen besonderen Stadtbrandinspektor, eine besondere Führungskraft – Marco Kirchner. Außerdem sei er im Kreisfeuerwehrverband des Landkreises Gießen im Vorstand (einer der stellvertretenden Vorsitzenden). Er zeichnete Kirchner mit einer der höchsten Ehrungen im Feuerwehrwesen überhaupt für hervorragende Leistungen aus – dem nur selten vergebenen Ehrenkreuz in Silber des Deutschen Feuerwehrverbands.

Landrätin Anita Schneider nannte Kirchner eine „Institution mit Leidenschaft“, die sich kontinuierlich weiterentwickelt, und Verantwortung übernommen habe. Kirchner habe Strukturen verbessert, Konzepte vorangetrieben, und die Idee des Gefahrenabwehrzentrums im Landkreis Gießen mitbegleitet. Er habe im Netzwerk gearbeitet, im Team gedacht, als mitfühlender Kamerad gehandelt, die Führungskultur modernisiert, Spielregeln mitgestaltet (die Leitsterne) und sei somit auch Vorbild für demokratisches Wirken. Schneider erinnerte an die lange Zeit des Zusammenarbeitens mit dem ehemaligen Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek, dessen Ehefrau Andrea Wieczorek ihn aber an diesem Abend vertrat.

Roland Kraus, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Gießen, sagte, Kirchner habe Ideen und Werte vermittelt und diese selbst vorgelebt. Marco Kirchner, dem nichts fremder ist als Ichbezogenheit, widmete die hohe Auszeichnung des Deutschen Feuerwehrverbands seinen Kameraden. Die Feuerwehr sei „nicht der Kirchner, sondern die Einsatzabteilung“.

Unterdessen war Hessens Innenminister, zuständig für die Feuerwehren, Professor Dr. Roman Poseck eingetroffen. Unmittelbar nach einem Trauergottesdienst in der evangelischen Kirche Runkel/Lahn. Ein Arbeitsunfall in einer Lederfabrik/Gerberei hatte drei Tote und zwei Schwerverletzte zur Folge, der Schadstoffeinsatz benötigte über 150 unterschiedliche Rettungskräfte. Nachher hätten die Einsatzkräfte kontaminiert und ärztlich untersucht werden müssen.

Das wiederum zeige: „Feuerwehren bringen sich selbst in Gefahr, um anderen zu helfen“. Gewalttätige Übergriffe auf Rettungskräfte seien inakzeptabel. Er fordere konsequente Verfolgung und Gefängnisstrafen dafür. Marco Kirchner habe immer einen klaren Kompass gehabt: „Er hat für diese Feuerwehr gelebt, ist das Gesicht der Feuerwehr Lollar, ein Vorbild für uns alle.“ Poseck übergab das Silberne Brandschutzehrenzeichen am Bande des Landes Hessen.

Christian Betz, Vorstandsvorsitzender des DRK-Kreisverbands Marburg-Gießen und langjähriger Weggefährte Kirchners, konstatierte, als er den damals neuen SBI kennengelernt habe, sei er Katastrophenschutzbeauftragter gewesen, so Betz. Kirchners wertschätzende Art suche ihresgleichen. „Er muss ein Menschenfreund sein.“

„Demut und Dankbarkeit“

In seiner Abschiedsrede fühlte Kirchner „Demut und Dankbarkeit“, zollte den Einsatzkräften Respekt, und dankte allen Abteilungen der Feuerwehr und den anwesenden Brandinspektoren anderer Feuerwehren für die gute Zusammenarbeit. Sein größter Wunsch, die Errichtung des Gefahrenabwehrcampus, möge noch in Erfüllung gehen.

Stefan Koch, neuer Leiter der Werksfeuerwehr Bosch, überbrachte Grüße auch von der Werksleitung. „Marco Kirchner hat uns stets mit Rat und Tat unterstützt.“ Helmut Ziegler, Vorsitzender des Fördervereins Jugendblasorchester, erinnerte an den ehemaligen Schlosserlehrling Kirchner in seinem Betrieb. Dessen Bodenständigkeit sei ihm schon als Jugendlichem zu eigen gewesen. Ein Abschiedsvideo für Kirchner lief über die Leinwand. Zuerst sprach Martin Rößler, Staatssekretär im Hessischen Innenministerium: „Beeindruckend empfinde ich Ihr Führungsverständnis.“ Trotz ausgewiesener Expertise habe Kirchner immer auch anderen zugehört. „Beeindruckend, das Projekt des neuen Campus.“

Michél Battenfeld, der neue Vorsitzende des Fördervereins Feuerwehr Lollar, hielt die Laudatio auf Kirchner. Seine Gespräche mit vielen Menschen über Kirchner hätten immer dasselbe Bild von jenem vermittelt: klar, offen, verlässlich. Battenfeld: „Dabei wollte er gar nicht im Mittelpunkt stehen. Kirchner hat geführt, aber nie befohlen, um zu herrschen.“ Pascal Hirschhäuser stellte fest: Unter seiner Leitung bleibe der Mensch im Mittelpunkt. Das Miteinander und Füreinander. „Marco hat Wertschätzung nicht gepredigt, sondern vorgelebt.“

Die Vereinigung aus Jugendblasorchester Lollar und Musikzug Staufenberg, Leitung Marlon Esenkan, umrahmte die Versammlung musikalisch.

Quelle: Gießener Allgemeine
Autor: Volker Heller

Bild1: Innenminister Roman Poseck (l.) würdigt die Verdienste des scheidenden Lollarer Stadtbrandinspektors Marco Kirchner. © Frank Zinn/hmdi

Bild2: Pascal Hirschhäuser ist neuer Stadtbrandinspektor in Lollar. © Volker Heller